Golfregion

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Golf-Region in der Krisensituation - Ringen um Frieden, Macht und Vorherrschaft Die Emirate Katar, in denen die Weltmeisterschaft 2022 stattfindet, wurden von den Nachbarstaaten, vor allem Saudi-Arabien, abgeschottet, Flüge storniert und Websites gesperrt. Qatar wird beschuldigt, terroristische Organisationen zu unterstuetzen. Aber geht es wirklich darum, Terrorismus zu fördern, wie sie beschuldigt werden, oder um einen ideologischen Streit um den Schiiten Iran und das sonnitische Saudi-Arabien, wie einige der westlichen Massenmedien es beschreiben?

Auf den ersten Blick scheint Qatar und Saudi-Arabien, das eine Führungsrolle in der koordinierten Handlung einnimmt, im Grunde doch recht nahe zu sein: Sie sind die einzige Welt, in der der Wahlabismus die Staatskirche ist. In Deutschland werden Wahabiten-Moscheen ebenfalls von Saudi-Arabien mitfinanziert. Sehr fragwürdig ist auch, ob Katars Hilfe für terroristische Gruppierungen per se das eigentliche Hindernis ist.

Saudi Arabien selbst wird wiederholt beschuldigt, terroristische Organisationen, einschließlich des so genannten islamistischen Staates, zu fördern. Katar und Saudi-Arabien seien "Brutstätten des Hasses", so der Spiegel. Die Aggressivität der anderen Länder gegenüber dem Iran soll er beanstandet, ja als " stabilisierend " eingestuft und die Hamas als "legitimen Repräsentanten der Palästinenser" gelobt haben.

Das hat aber nichts an der Einstellung der anderen Länder geändert. Also was verbirgt sich dahinter und was hat Ägypten damit zu tun? Der Unterschied zwischen Saudi-Arabien und Katar begann 1996 mit dem Amtsantritt von Hamid bin Khalifa, dem heutigen Emir von Katar. Saudi-Arabien, die mit großem Abstand grösste Volksgruppe auf der Araberhalbinsel, sah darin jedoch eine Bedrohung für ihre Vormachtstellung.

Damit sollten die sechs an den Golf angrenzenden Länder zunächst vom Iran und später von einem angriffslustigen Irak abgeschirmt werden. Qatar sollte seine nationale Moschee in Moschee umfirmieren, weil das Vaterland vom Weg des Wahlabismus abgelenkt wurde. Damit sind sie viel mehr unabhängig von Saudi-Arabien als Bahrein. Zusammen mit dem Oman sollen sie die besten Verbindungen zum Iran haben, was sich in der großen Anzahl von iranischen Firmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten wiederspiegelt.

Auch wenn die Vereinigten Arabischen Emirate hier gegen die saudische Strategie verstoßen, so haben sie doch die Gemeinsamkeiten mit Katar. Im Zentrum der aktuellen Golfkrise stehen die Beziehungen zur Muslimbrüdergemeinschaft in allen vier Anrainerstaaten. Saudi-Arabien, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate betrachten die verschiedenen Spaltungen der Muslimbrüder als eine große, vielleicht die grösste Bedrohung für die interne Stabilisierung ihrer Länder.

Saudi Arabien hat 2014 die Muslimischen Bruderschaften zu einer terroristischen Organisation erklärt. Gegründet wurde die Muslimbruderschaft 1928 als Oppositionsbewegung gegen den Ägypten. Es besteht kein Zweifel, dass es Beziehungen zwischen den muslimischen Bruderschaften und Qatar gibt. Qatar gewann dadurch Einfluss auf die jeweilige regionale Entwicklung. In Libyen und Syrien unterstützen die nach den Protesten im Jahr 2011 verstärkten muslimischen Bruderschaften unter anderem das islamische Milizbündnis " Libyan Dawn " und die Türkei.

Die UAE und Ägypten hingegen unterstützt den früheren Heerführer Khalifa Haftar in Libyen Tobruk, der gegen die islamistischen Kräfte kämpft. Weitere islamische Gruppen, wie die Hamas als ehemalige Filiale der Ägyptischen Muslimbruderschaft oder die Talliban, haben in Doha Repräsentanzen eröffnet. Katars Hilfe für die Muslimbruderschaft ist auch eine Erklärung für die Beteiligung Ägyptens an der Isolation Katars.

Ãgypten hat ein vergleichsweise gutes VerhÃ?ltnis zum Iran, kÃ?mpft aber gegen die Moslembruderschaft. Saudi Arabien steht auf der Seite der militärischen Regierung von El-Sisi. Die VAE haben auch Angst vor der Muslimbrüdergemeinschaft. Alle vier Bundesstaaten einschließlich Bahrain betrachten Katar seit langem als Bündnispartner der muslimischen Bruderschaft. Saudi-Arabien, Bahrain und die VAE haben sich im MÃ??rz 2014 aus Katar zurückgezogen und Doha eine Reihe von Anforderungen vorgelegt, die im Wesentlichen auf ihre Beziehungen zur muslimischen Bruderschaft ausgerichtet waren.

Die achtmonatige Glatteiszeit zwischen den Bundesstaaten führte zu einer Vereinbarung, die Katar zu Zugeständnissen veranlasste. So sollten unter anderem muslimische Brüder, die in Saudi-Arabien und den VAE begehrt waren und in Katar Zuflucht gefunden hatten, vertrieben werden. Die von Doha zugesagten Kompromisse entpuppten sich am Ende als hohle Versprechungen, weshalb die drei Golfländer nun gemeinsam mit Ägypten eine neue Initiative einleiteten.

Das hier gebildete Bündnis zwischen Ägypten, Saudi-Arabien, Bahrain und den VAE dürfte die politischen Verhältnisse in Syrien, Libyen und Yemen nachhaltig mitbestimmen. Alle vier Bundesstaaten haben ein großes Gemeinschaftsinteresse an Katar. Allerdings sind, wie sich zeigt, andere Belange der einzelnen Länder an vielen Stellen sehr unterschiedlich.

Die Ägypter haben große Unterschiede zur Türkei, Saudi-Arabien zum Iran, die VAE brüskieren Riyadh im Yemen. Ägypten und die VAE haben verhältnismäßig gute Gesamtbeziehungen zum Iran. In Bahrain herrscht gegenwärtig großer innenpolitischer Handlungsdruck. Die aktuelle Golfkrise kann nicht allein durch einen ideologischen oder religiösen Streit zwischen dem Iran und Saudi-Arabien erklärt werden.

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